Resümee La Strada 2016

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© Nikola Milatovic

 

La Strada 2016 war ein großes Sommerfest voll Leidenschaft und Poesie

Wir alle können etwas brauchen, das uns wieder einmal über die Dächer der Stadt hinaus schauen lässt und den Raum zum Himmel hin öffnet“, hatte Intendant Werner Schrempf im Vorfeld von La Strada gesagt. Wie schön das mit dem diesjährigen Festival gelungen ist, konnten Tausende nicht nur, aber auch beim großen Finale auf dem Freiheitsplatz erleben. Hier verzauberte am vergangenen Samstag die Compagnie Transe Express ihr Publikum mit einer poetischen Inszenierung und magischen Momenten, die in der Erinnerung vieler vermutlich zu den schönsten Sommererlebnissen 2016 gehören werden.
Aber dies war bei Weitem nicht der einzige Moment, der in den vergangenen Tagen die Herzen und Köpfe der Menschen erreicht und geöffnet hat. Da war die ganze Stadt mit Musik erfüllt. Es wurde getanzt, gelacht, gesungen und einander umarmt, wenn Publikumsliebling Murmuyo auf die Suche nach neuen Freunden ging. Die Besucher hielten einandern fest umschlossen, um gemeinsam an einem Strang zu ziehen, damit der spanische Künstler Joan Català eine steirische Eiche hinaufklettern konnte. Inmitten der Stadt. Es folgten mehr als 1.000 Menschen den geisterhaft-schönen Gestalten von Rara Woulib auf nächtlichen Spaziergängen ins Unbekannte, um dann an einer gemeinsamen Tafel miteinander zu essen und zu trinken, neue Bekanntschaften zu machen, ins Gespräch zu kommen und einen dieser Momente zu teilen, die unerwartet berühren und neue Verbindungen entstehen lassen. Verbindungen, die in der wunderbar spritzigen Zirkusproduktion von Cheptel Aleïkoum im Augarten, auf einzigartige Weise ihren Ausdruck fanden und zeigten, dass der Zusammenhalt der Menschen keine Utopie darstellen muss.
Das Publikum war begeistert von den gemeinsamen Erlebnissen in der Stadt, von der ebenso freud- wie anspruchsvollen Auseinandersetzung mit großen Themen unserer Zeit. Tausende Zuseher blickten gespannt auf die Fassade des Universalmuseums im Joanneumsviertel, wo Fassadenkletterer Antoine Le Menestrel sein mutiges und risikoreiches Stück über Konsum und Freiheit inszenierte. In der an sechs Abenden nahezu ausverkauften Oper Graz brachte der schwedische Cirkus Cirkör mit „Limits“ sein Publikum zum Staunen und Nachdenken. Wie auch die multimediale Produktion „Final Season“ der jungen Grazer Künstlerin Lisa Horvath, in der das Areal in Graz-Reininghaus zur Zeltstadt mutierte.
Über 100.000 Menschen erlebten gemeinsam 29 Produktionen mit 120 Vorstellungen in Graz, Stainz, Weiz und bei Schloss Seggau. Und wie jedes Jahr gilt „Nach La Strada ist vor La Strada“ – 2017 wird das Festival seinen 20. Geburtstag feiern – mit internationalen Künstlern und heimischen Eigen- und Ko-Produktionen, die unter anderem in künstlerischen Residences während der kommenden Monate entstehen. Und natürlich mit dem Grazer Publikum, das La Strada in all den Jahren zu dem gemacht hat, was es heute ist. „Das Leben ist nur dann spannend, wenn man Mut zum Risiko hat – mit dem Wissen, dass man das Vertrauen weitergeben muss. Und ich glaube, wir haben es geschafft, dass die Menschen dieses Risiko mit uns teilen wollen“, so Intendant Werner Schrempf. „Denn ein Festival kann – und La Strada möchte – den öffentlichen Raum mitgestalten, indem es zeigt, wie und wofür man Straßen, Plätze und Räume nutzen kann.“

Nächsten Sommer dann schon zum 20. Mal: 28. Juli bis 5. August 2017.