Décor Sonore (FR)

> Sharawadji Effect

Kaum zu glauben: 90.000 Menschen überqueren den Jakominiplatz an einem einzigen Tag, der Platz ist ein Hochfrequenztreffpunkt, ein Bienenstock. Nirgendwo ist Graz so urban wie hier. Und kein Platz ist so egal wie dieser: Man reist hier nur durch. Nun aber gestaltete La Strada die Drehscheibe des innerstädtischen Verkehrs um: zum Klangkörper und zum Schauplatz.

Der französische Klangkünstler Michel Risse machte sich zum Gärtner der Klänge und begab sich auf die Suche nach dem Sharawadji-Effect. Der beschreibt den Ehrgeiz japanischer Gartenarchitekten, ihre Gärten wie natürliche Landschaften aussehen zu lassen. Der Wald gelber Straßenlaternen hatte Risse zu einem ähnlichen Unternehmen inspiriert: Der niemals endende Verkehrsfluss und seine Geräuschkulisse waren das Motiv einer Performance, die eilige Passanten zum Teil der Choreografie machte und im  Rumpeln der Straßenbahnen eine Melodie erkannte.

Risse und die Künstlergruppe Décor Sonore verzichteten dabei auf die klassische Bühnensituation. Vielmehr wurden „Fenster in das Unvorhersehbare“ aufgestoßen, und wer durch sie hindurch schaute, wußte plötzlich nicht mehr genau, ob er Alltag oder Kunst vor Augen hat. Das listige Spiel mit Gewohnheit und Überraschung konnte übrigens überall seinen Lauf nehmen: an der Haltestelle und in der Straßenbahn, am Würstelwagen und am Herrenklo. Kunst fand Stadt. Und plötzlich schaute Graz sich ins Gesicht.

Eine La Strada Produktion

www.decorsonore.org