SIGNAL AM DACHSTEIN


EINE LANDSCHAFTSOPER ZUR SOMMERSONNENWENDE | 20. Juni 2021

In Kooperation mit den niederländischen Klangkünstlern Strijbos & Van Rijswijk, dem Festival der Regionen Oberösterreich und dem Europäischen Netzwerk IN SITU überschreitet La Strada 2021 zeitliche und geographische Grenzen. Künstlerisch ausgelotet werden in diesem Jahr nicht nur urbane Räume, sondern auch ein ganz besonderer Landschaftsraum, jener des Dachsteingletschers an der Grenze der Steiermark zu Oberösterreich. Auch zeitlich dehnt das Festival seinen Rahmen aus: Das erste große Projekt des heurigen Festival-Sommers beginnt bereits zur Sommersonnenwende. Zu Sonnenaufgang am Sonntag, dem 20. Juni 2021.

Jeroen Strijbos und Rob van Rijswijk loten Natur- und Kulturräume kompositorisch aus. Dabei arbeiten sie bevorzugt mit Stimmen (Bauwien van der Meer, Els Mondelaers, Michaela Riener, Linde Schinkel, Mijke Sekhuis, Isabelle Storms) und elektroakustischen Sounds und nehmen das Publikum mit auf eine Klangreise. Die Raumklang-Installation der beiden niederländischen Klangforscher und Komponisten bildet den Höhepunkt einer Landschaftsoper, deren Ouvertüre bereits in den Tälern beginnt. Das umfassende Projekt bindet die lokale Community in den künstlerischen Gestaltungsprozess ein, basierend und bezugnehmend auf deren aktuelle Lebenswelten und regionale kulturelle Identitäten. Es lädt Partner*innen und Expert*innen aus der Region (Alpenverein, Naturfreunde, Bergrettung, Gemeinden, Tourismus- und Seilbahnunternehmen, Umweltspezialist*innen, Gletscher- und Naturforscher*innen, Künstler*innen und Kulturschaffende) ein, sich dem Thema Klimaveränderung und Gletscherschwund in subtiler Form und mit Respekt vor diesem gewaltigen Archiv der Kultur- und Naturgeschichte zu widmen und gemeinsam möglicherweise einen nachhaltigen Beitrag zur Schärfung des Bewusstseins für dieses brisante Thema zu leisten. Auf mehreren Wegen der Annäherung wächst die Landschaftsoper zu einem gemeinsamen Begegnungs- und musikalischen Höhepunkt am Gletschermassiv. Aus allen Richtungen nähern sich zur Ouvertüre Gruppen aus Künstler*innen, Wissenschaftler*innen, Expert*innen und Teilnehmer*innen dem Gletscher zu Fuß in hochalpinen Wanderungen – die „Operngäste“ werden mit Bussen und der Bergbahn auf den Gletscher gebracht – nach einem einstündigen Fußweg zu Tagesbeginn geht der Vorhang hoch und alle gemeinsam werden Teil der Opernpremiere von Signal am Dachstein.

Ich hoffe, dass neben den Eindrücken von der Landschaftsoper vor allem auch eines bleibt: nachhaltige Beziehungen und gemeinsames Wirken für die Zukunft des klimasensiblen Alpenraums.

Seit mehr als fünf Jahren arbeiten wir an dem Konzept für „Signal am Dachstein“, mit dem wir gemeinsam eine ganz Palette wichtiger Ziele verfolgen. Es geht um nicht weniger als Horizonte zu erweitern und Perspektiven zu verschieben. Interdisziplinäre Verbindungen zwischen Künstler*innen, Wissenschaftler*innen, sowie den Menschen in der Region herzustellen. Denn die Kreativität gehört nicht nur auf die Bühne oder in den Vortragssaal, sondern auch in das tägliche Leben.

Zumal es die Gestaltungskraft im Engagement gegen den Klimawandel brauchen wird, für dessen Bedeutung sich auf dem Dachstein – leider – ein ganz besonders deutliches Zeichen setzen lässt. Denn dieser Gletscher wird nicht irgendwann in einer fernen Zukunft, sondern noch zu Lebzeiten vieler Teilnehmer*innen verschwinden.

„Signal am Dachstein“ bildet den künstlerischen Auftakt einer internationalen Serie von Landschaftsopern, die sich in unterschiedlichen Regionen Europas mit lokalen Auswirkungen von global durch den Menschen ausgelösten Veränderungen der Natur widmen wird.

Werner Schrempf, Intendant La Strada Graz

Nachhaltigkeit ist uns wichtig. Die grafischen La Strada-Produkte werden klimaneutral von der Medienfabrik Graz produziert und gemeinsam mit ClimatePartner unterstützen wir die nachhaltige Entwicklung im Alpenraum.

Das Projekt "Signal am Dachstein" lebt vom Zusammenspiel aller Teilnehmer*innen und Partner*innen aus der gesamten Region.

Die Ouvertüren der Landschaftsoper SIGNAL AM DACHSTEIN
Ouvertüre 1: Mit Bus und Seilbahn zum Gletscher
Der Gletscher – ein Archiv der Natur- und Kulturgeschichte

Ausgehend von unterschiedlichen Orten in der Steiermark, Oberösterreich und Salzburg werden die Teilnehmer*innen in der Nacht mit Bussen aufbrechen, um sich gemeinsam der natur- und kulturgeschichtlichen Entwicklung der fantastischen Landschaft des Dachstein-Massives zu nähern. Die Gestaltung dieses Weges zur Ouvertüre der Landschaftsoper erfolgt gemeinsam mit Künstler*innen aus der Region, die einen besonderen Bezug zu diesem außergewöhnlichen Naturraum haben. Legen wir ein Ohr auf den Gletscher, hören wir genau hin und lauschen dem, was wegschmilzt und was von diesem gigantischen Archiv an – in das Eis eingeschriebener – Natur- und Kulturgeschichte jetzt langsam wieder abgegeben wird.

Sopranistinnen:
Bauwien van der Meer
Els Mondelaers
Michaela Riener
Linde Schinkel
Mijke Sekhuis
Isabelle Storms

Alle Plätze zur Teilnahme an der Ouvertüre sind bereits vergeben.

Die Ouvertüren 2 bis 6 sind vereinsinterne Touren und beleuchten auf mehrtägigen Wander-Etappen vielfältige Blickwinkel. Sie setzen sich in sensibler künstlerischer Weise mit dem Verhältnis von Mensch und Natur auseinander und stellen die schwindenden Gletscher des Dachsteinmassives ins Zentrum der Wahrnehmung. Alpinist*innen, Künstler*innen und Expert*innen schaffen im Austausch mit Kooperationspartner*innen unterschiedliche Choreographien der Annäherung, die visuell und akustisch dokumentiert und im Anschluss für die Öffentlichkeit aufbereitet und zugänglich gemacht werden.

Zum Höhepunkt der Landschaftsoper „Signal am Dachstein“ treffen sich die Teilnehmer*innen von Ouvertüre 2 bis 6 mit den Teilnehmer*innen von Ouvertüre 1 auf dem Gletscher.

Ouvertüre 2: Artenvielfalt

Hochalpine Wanderung von Weißenbach bei Haus/Ennstal über die 3 Seen Ahornsee, Grafenbergsee, Silberkarsee zum Guttenberghaus. Von dort aus weiter zum Gletscher.
In Zusammenarbeit mit: TVN Haus/Ennstal, ÖAV Haus/Ennstal und ÖBRD Team Haus/Ennstal

Ouvertüre 3: Wald und Weide

Hochalpine Wanderung von Gröbming und Bad Mitterndorf zum Hirzberg und Guttenberghaus. Von dort aus weiter zum Gletscher. In Zusammenarbeit mit: ÖAV Gröbming, ÖAV Bad Mitterndorf, Ausseerland und dem ÖBRD Gröbming und Gebiet Oberes Ennstal

Ouvertüre 4: Geologie

Hochalpine Wanderung von Obertraun über die Gjaidalm, zum Taubenkogel, Gjaidkar bis zur Simonyhütte. Von dort aus weiter zum Gletscher. In Zusammenarbeit mit: ÖBRD Obertraun, ÖAV Hallstatt und Ausseerland, TVN Obertraun

Ouvertüre 5: Meteorologie

Hochalpine Wanderung von Hallstatt über Wiesberghaus und Simonyhütte in den Aktionsraum
In Zusammenarbeit mit: Naturfreunde Oberösterreich mit OG Lenzing, ÖBRD Obertraun und ÖAV Hallstatt.

Ouvertüre 6: Glaziologie

Hochalpine Wanderung über die Gosauseen zur Adamekhütte, von dort aus über die Steinerscharte zum Hallstättergletscher. In Zusammenarbeit mit: ÖAV OG Gosau, ÖAV Bad Goisern und dem ÖBRD Oberösterreich

Weitere Annäherungen an den Gletscher:

Weg a: „Hunerscharte“
Nachtanstieg vom Bereich der Türlwandhütte – Sonnerwendfeuer platz über die Südwandhütte zur Hunerscharte. Von dort aus weiter zum Gletscher.
In Zusammenarbeit mit: ÖAV Schladming

Weg b: „Klettertour“
Nachtdurchstieg über den Klettersteig Johann zur Dachstein Warte.
In Zusammenarbeit mit: ÖBRD Ramsau

Weg c: „Salzburger Weg“
Nachtdurchstieg ausgehend von Filzmoos über die Bachlalm,
das Windlegerkar zur Steinerscharte und weiter zum Hallstätter Gletscher.
In Zusammenarbeit mit: ÖBRD Filzmoos

Zur Einstimmung

28. April 2021
Schulprojekt „GletscherQuadrat auf der Planai“

Ein angewandtes Mathematikprojekt in Verbindung mit Geografie und Glaziologie.
Veranschaulichung der Verkleinerung des Dachsteingletschers innerhalb von 170 Jahren.
Ein Projekt der MS Schladming in Zusammenarbeit mit den Planai-Hochwurzen-Bahnen, dem Wintersportverein Schladming, dem Kulturamt der Stadt Schladming.
Initiiert von: Lois Strimitzer und Lehrer*innenteam der MS Schladming

Ende Mai 2021
Auslotung des Klangraumes

Die Ton-Künstlerin Katharina Pfennich lotet den inneren Klangraum des Berges im Rahmen einer
geführten Begehung der Dachstein Südwandhöhle gemeinsam mit der ÖAV Höhlengruppe
Schladming unter der Leitung von Toni Streicher und Julian Zehentleitner aus.

1. Juni 2021 / 20 Uhr bei der Talstation der Planaibahn Schladming
Höhlenvortrag „Die Riesenhöhlensysteme in der Dachstein-Südwand“

von Robert Seebacher, Verein für Höhlenkunde in Obersteier
Zusammen mit der Stadtgemeinde Schladming, Kulturreferat: GR Brigitte Pürcher
und den Kulturreferaten der Gemeinden Ramsau am Dachstein und Haus im Ennstal

Zum Auftakt „ÜBERhören und ÜBERsehen“

18. Juni 2021 / 20 Uhr in Ramsau am Dachstein
Forum in Kooperation mit den Gemeinden Ramsau am Dachstein, Schladming, Haus im Ennstal

Wir leben in einer Zeit außergewöhnlicher Herausforderungen für die Gesellschaft weltweit. Pandemie, Klimaerwärmung, Kriege, Hungersnöte, politisch und religiös motivierte Ausgrenzungen von Menschen, Missachtung der Menschenrechte, Flüchtlingsbewegungen, Einflüsse von kapitalstarken Unternehmen, Technisierung sämtlicher Lebensbereiche. Das alles beschäftigt uns gegenwärtig sehr, weil allzu vieles auch vor unseren Tälern und Dörfern und Bergen nicht Halt macht. Es scheint so, als würde längst kein Stein mehr auf dem anderen liegen bleiben. Alles und jedes scheint in heftigem Umbruch zu sein. Dazu kommt noch, dass auch landschaftsbedeutende Gegebenheiten sich markant verändern, ganz besonders festzumachen am klimabedingten „Schmelzen der Gletscher“, ob nun durch einen natürlichen Prozess der Erdgeschichte bedingt, oder auch hervorgerufen durch massive Einflüsse der Industriegesellschaften. Was heißt es, wenn uns das „Dach aus Eis und Schnee“ abhanden kommt? Ist es nicht viel mehr als bloß ein Phänomen der Natur? Hat das nicht auch eine immense symbolische Wirkung?

Blicke auf all dies zu schärfen und das Bewusstsein für diese Veränderungen zu wecken, das ist
die Idee, die hinter dem Projekt „Signal am Dachstein“ steckt. Das Forum „ÜBERhören und ÜBERsehen“ schließt sich der Thematik an und geht den Fragen nach: Lassen sich Zusammenhänge sehen und erklären? Wie lässt sich die Fülle von gegenseitigen Abhängigkeiten begreifen? Was heißt es, wenn eine Landschaft ihre vertraute Authentizität verliert? Entsteht dann eine neue Wirklichkeit? Erfordert es vielleicht einen völlig neuen Blick auf unsere Lebenswelt? Hören und sehen wir überhaupt genau genug hin? Oder ÜBERhören und ÜBERsehen wir Wesentliches? Und wie steht dies alles im Einklang mit der Verantwortung gegenüber unseren nachfolgenden Generationen? Das Forum soll Blickwinkel von außen nach innen eröffnen, angeregt von Teilnehmer*innen, die jede(r) für sich in einem ganz eigenen und zugleich auch besonderen Verhältnis zur Dachsteinregion stehen.

Forums-Teilnehmer*innen:
Fanny Krausz (Schauspielerin), Johannes Gutmann (Gründer Sonnentor), Ferdinand Seebacher (Schauspieler), Alfred Mayerhofer (Kostümbildner), Catalina Molina (Filmregisseurin)

Moderation: Frido Hütter
Livemusik und Performance: Paul Plut (Musiker) & Markus Köhle (Literat, Autor)