La Strada 2021 – Ein Signal für die Zukunft

Mit dem kalendarischen Sommeranfang, am längsten Tag des Jahres, begann auch La Strada 2021. Zu Sonnenaufgang des 20. Juni wurde ein „Signal“ gesetzt – gemeinsam mit den niederländischen Klangkünstlern Strijbos & Van Rijswijk, unserem Partner Festival der Regionen Oberösterreich und zahlreichen heimischen Mitwirkenden legen wir weiterhin ein Ohr an den Dachsteingletscher – der Beginn einer längerfristigen, interdisziplinären Zusammenarbeit bis 2024 mit Künstler*innen, Kulturinitiativen und Expert*innen aus der Region rund um den Dachstein.

Bereits am 24. Juli ging das Projekt The Graz Vigil in seine zweite Phase. In einer Installation am Grazer Karmeliterplatz wurden die Aufzeichnungen der über 700 Vigils, die im vergangenen Jahr jeden Tag zu Sonnenaufgang und Sonnenuntergang über Graz gewacht haben, aufgearbeitet und die Besucher*innen konnten nochmals eintauchen in dieses außergewöhnliche Projekt, das in Kooperation mit WLDN/Joanne Leighton und Graz Kulturjahr 2020 zur Umsetzung gelangte.

Und in der Festivalwoche ab 30. Juli haben wir ein Programm gezeigt, das sich in vielfältiger, subtiler und humorvoller Weise den Themen einer Zeit des gesellschaftlichen Wandels und beträchtlicher Veränderungsprozesse in Europa widmete. Es sind jene Schwerpunkte, auf welche sich auch unser internationales Netzwerk IN SITU in seinem neuen, vierjährigen Projekt (UN)COMMON Spaces von 2020-2024 fokussieren wird: Vielfalt, soziale Gerechtigkeit, kulturelle Identität oder die Allianzen zwischen Generationen sind Leitthemen – ebenso wie die gravierenden Veränderungen unserer Umwelt und unserer Lebensräume.

Große Krisen und daraus resultierende kollektive Ängste bilden den Nährboden für Rechtspopulismus und Radikalismus. Dass Faschismus durch die Angst wächst, die er erzeugt, und das beste Gegenmittel gegen diese Angst der Sinn für Humor ist, bewies einer der größten „Clowns“ unserer Zeit – der legendäre Leo Bassi eröffnete das Festival La Strada 2021 mit seiner außergewöhnlichen Soloperformance Me! Mussolini. auf der Bühne des Orpheum Graz. Die Künstler*innen der Compagnie Rhizome setzten am Platz der Versöhnung mit ihrer sensiblen tänzerisch-artistischen Performance „La Spire“ den Auftakt im öffentlichen Raum.

Das künstlerische Durchmessen des urbanen Raumes und der Blick auf Transformationsprozesse in städtischen Kern- wie auch Entwicklungszonen ist für La Strada seit vielen Jahren von besonderem Interesse. Die Artist*innen der Cie XY etwa infiltrierten gemeinsam mit heimischen Darsteller*innen und Sänger*innen die Stadt mit wundersamen und unerwarteten Begegnungen – „Les Voyages“ war ein Beitrag von La Strada im in die Verlängerung gegangenen Kulturjahr.

Und schließlich hat La Strada den längst ersehnten Momenten Raum geboten: dem Verweilen mit Freund*innen, dem Lachen, dem Staunen, der Musik, vielleicht auch dem Tanz …

Und in diesem Sinne freuen wir uns auf ein Wiedersehen bei La Strada 2022.

Werner Schrempf | Intendant